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Hesperiidae - Typenverzeichnis


Über Hesperiidae

Familie Hesperiidae (Skippers)

Die Hesperiidae galten unter Systematikern lange als die einzige Familie der Überfamilie Hesperioidea, werden aber neuerdings auch häufiger in die Überfamilie Papilionoidea eingegliedert.
Es handelt sich um Schmetterlinge mit kräftig gebautem Körper bei mehr oder weniger starker Behaarung. Ihre Fühler sind kurz, etwa halb so lang wie die Vorderflügel und am Ende kolbenförmig verdickt. Die Labialpalpen weisen drei Segmente auf, der unbeschuppte Saugrüssel ist wie auch die drei Beinpaare voll entwickelt, Maxillarpalpen fehlen. Neben den Augen weisen die Dickkopffalter jeweils ein Haarbüschelchen auf. Die Männchen besitzen Duftschuppen auf den Vorderflügel, die besonders bei denen der Unterfamilie Hesperiinae schön sichtbar sind.
Der deutsche Name Dickkopffalter nimmt Bezug auf den auffälligen großen und breiten Kopf dieser Schmetterlinge, der breiter ist als der Thorax. Den englischen Namen Skipper erhielt die Faltergruppe wegen ihres charakteristischen Fluges. Einige Arten fliegen sehr schnell und nahe am Boden, während andere einen leicht hüpfenden Flug zeigen. Ein Großteil hat eine charakteristische Sitzhaltung, bei der sie ihre Flügel so geöffnet haben, dass die Vorder- und Hinterflügel in einem spitzen Winkel zueinander stehen. Die Vorderflügel sind etwa 1,5 bis zweimal länger als breit und meist orangebraun, braun, grau oder schwarz gefärbt. Es gibt aber, vor allem in den Tropen zahlreiche bunt gefärbte Arten, darunter auch schillernde.
Die Hesperidae kommen weltweit, außer in Neuseeland, mit etwa 4000 Arten und derzeit über 560 Gattungen vor. Ihr Hauptverbreitungsgebiet sind die Tropen, besonders die Neotropis. In Europa kennen wir 45 Arten, die eine Flügelspannweite von 24 bis 34 Millimetern erreichen. In den Tropen findet man jedoch deutlich größere Exemplare.
Der Großteil der Falter wie auch die europäischen Arten ist tagaktiv. Es gibt aber einige Arten wie etwa die amerikanische Celaenorrhinus fritzgaertneri, die dämmerungs- und auch nachtaktiv sind.
Die Eier werden von den Weibchen einzeln an den Futterpflanzen abgelegt. Die daraus schlüpfenden Raupen fressen im Schutz einer Blattbehausung, die aus bis zu mehreren miteinander mit Seidenfäden versponnenen Blättern besteht. Dabei werden die Blätter so benagt, dass sie gefaltet oder zu einer Rolle geformt werden können. In dieser verpuppen sie sich auch, wobei die Behausung nach jeder Häutung neu angelegt und zur Überwinterung oder Verpuppung an kräftigen Stängeln der Futterpflanze befestigt wird. Nur sehr wenige Arten, z. B. die der Gattung Megathymus, bohren in Pflanzen wie den Agavengewächsen (Agavaceae).
Dickkopfraupen sind spindelförmig und besitzen voll entwickelte Bauchbeinpaare. Sie sind farblich sehr variabel, aber meist grün, gelb oder hell gefärbt. Die meisten Arten sind kurz behaart. Der Kopf ist vielfach dunkel. Auf dem Rücken befindet sich oftmals ein mehr oder weniger gut sichtbarer Streifen.
Das Nahrungsspektrum der Familie umfasst über 70 Pflanzenfamilien. Unter den Dickkopffaltern gibt es einige Arten, die gelegentlich als Schädlinge auftreten. So können die Raupen von Erionota thrax ökonomischen Schaden an Bananenpflanzen, Hidari irava an Palmen und Arten der Gattung Nyctelius an Zuckerrohr verursachen.
Die Verpuppung erfolgt als Gürtelpuppe.
Durch den Erwerb diverser Sammlungen während der letzten Jahrzehnte gelangte auch immer wieder Belegmaterial von Hesperiden ins Museum, so dass deren Bestand zu einer reichhaltigen, wenn auch derzeit noch ungeordneten Sammlung anwuchs. Dabei handelt es sich fast ausschließlich um Arten des palaearktischen Faunengebiets.

(Text: Josef DE FREINA 11.08.2018)